Wenn das Schule macht: Barrierefrei und sozial

Die Freiburger Stadtverwaltung war sicher, dass eine Sanierung des alten Schulhauses in Haslach nicht wirtschaftlich durchführbar wäre. Von der Stadt beauftragte Gutachter hatten ein absolut hoffnungsloses Bild des Gebäudes vermittelt. Es sei marode und nur mit extrem hohem Aufwand zu erhalten, das Grundstück würde nicht angemessen genutzt. Und der Garten wäre wertvolle Baufläche, die man schon alleine aus kommerziellen Gründen nicht ungenutzt lassen sollte. Der Abriss war also eigentlich schon beschlossene Sache.

Doch die Haslacher Bürgerinnen und Bürger, darunter auch Menschen mit baulichem Sachverstand, waren ganz anderer Meinung und entwickelten Ideen, wie eine andere, bürgernahe Nutzung aussehen könnte.

Dagegen standen dann immer noch die Gutachten, die die Sanierung des Schulgebäudes als hoffnungslos unwirtschaftlich abschrieben. Hier kam die bogenständig wohnbau eG ins Spiel. Die Genossenschaft verfügt über besondere Erfahrungen beim Erhalt historischer Gebäude und ihrer sozialen Nutzung. Weil eine soziale Nutzung in aller Regel mit begrenzten Mieterträgen einhergeht, muss eine Sanierung intelligent und preisgünstig durchgeführt werden. Die Genossenschaft hat bereits vielfach bewiesen, dass dies geht.

Gleichzeitig wurden Ämter der Stadt Freiburg aufmerksam und meldeten spezifische „ja, aber“ an. Sie alle wurden von der Vorplanung vom Haslacher Architekt Heinz Geyer vom Architekturbüro FranzundGeyer für den Neubauteil entkräftet. Alle Forderungen sind berücksichtigt worden: Der Neubau sollte Passivhausstandard entsprechen, durchgehend barrierefrei sein, mehrere behindertengerechte Wohnungen aufweisen, eine Aufzugsanlage über alle Ebenen haben und mit zwei Stegen die Wohnungen im Altbau erschließen.

Zusätzlich wurden 13 Stellplätze nachgewiesen, auch wenn diese nur maximal zu einem Drittel benötigt werden.

Bei so viel Beharrlichkeit und Kreativität der Planer und den Genossenschaftlern befanden die befassten Stellen der Stadtverwaltung dieses Projekt dann auch für gut. Es fand eine ordentliche Ausschreibung statt, bei der, als absolutes Novum in Freiburg, nicht das billigste Angebot gefragt war, sondern Sozialbindung, Barrierefreiheit, Denkmalerhalt, Wohnflächenzuwachs und hoher ökologischer Standard die notwendig zu erfüllenden Kriterien waren.

Die Wohnbau bogenständig eG hatte den Mut, sämtliche Auflagen zu akzeptieren und auf die sonst übliche Rendite im Prinzip zu verzichten. Die Herausforderung war immer noch, dieses komplexe Projekt umzusetzen, ohne den Kostenrahmen zu sprengen. Zu meistern war dies nur mit erfahrenen Spezialisten der Denkmalsanierung und Planungsspezialisten für Neubau, die in das ausgesprochen kleine minimale Grundstück sozialen Wohnungsbau planen und es intelligent mit dem Altbau verbinden können.

Und dennoch hätte die Stadt das Projekt fast doch noch zum Scheitern gebracht als sie die Berechnungsgrundlage für die Mietkalkulation nach Projektbeginn um 15 % nach unten veränderte, damit die öffentliche Unterstützung mit Belastungen mehr als konterkarierte. 15 % weniger Einnahmen machen jede Immobilienkalkulation zu Makulatur. Die knapp kostendeckende Kalkulation wurde dadurch ins Defizit getrieben.

Allen faktischen und bürokratischen Widerständen zum Trotz sind die 10 Wohnungen fertig geworden. Im Altbau sind dies eine rollstuhlgerechte Wohnung mit 50 qm im Obergeschoss und 2 Wohnungen mit jeweils ca. 60 qm im Dachgeschoss. Das Erd- und Obergeschoss bietet 3 Gewerbeflächen mit jeweils ca. 60 qm. Im Neubau wurden gerade 5 barrierefreie Wohnungen mit jeweils 45 bzw. 75 qm und 2 rollstuhlgerechte Wohnungen mit jeweils 60 qm bezogen.

Die Zusammensetzung der Mietergemeinschaft ist so gemischt, wie vom Nutzungskonzept beabsichtigt, also einschließlich einer Einbeziehung von körperlich Behinderten und  Älteren. Zwei Wohnungen sind z. B. für allein erziehende Frauen mit Kindern vorgesehen.

Zum Bauherren:

 

Die bogenständig wohnbau eG ist eine eingetragene Genossenschaft. Sie wurde 2003 in Titisee-Neustadt gegründet. Zweck der Genossenschaft ist es, preisgünstigen Mietwohnraum unter sozialen und ökologischen Kriterien zu schaffen.  Die Genossenschaft verfügt über erhebliche Erfahrung bei der Sanierung von Altbauten und denkmalgeschützten Bauten (z. B. der Umbau des ehemaligen Hotels „Adler-Post“ in Titisee-Neustadt).

Die Arbeit von bogenständig wohnbau eG basiert auf Finanzeinlagen, die von Mitgliedern der Genossenschaft erbracht werden. Die Mindesteinlage beträgt 1000 Euro und berechtigt zu einer Teilhabe am Gewinn.

http://www.bogenstaendig.org/

 

 

 

IGeWo = Initiative gemeinsames Wohnen

Die IGeWo hat sich 2015 gegründet und das Ziel gemeinschaftliche Wohnprojekte auch für Menschen mit wenig Geld zu schaffen. Das erste Projekt wird in der ECA-Siedlung in Freiburg-Haslach verwirklicht, wo die Freiburger Stadtbau bis 2020 die bisherigen Häuser abreißt und 303 neue baut, von denen 24 für gemeinschaftliches Wohnen reserviert werden. Mehr dazu auf http://www.igewo-freiburg.de/

Demenz-WG im Erlenhof

Neue Wohnform im Erlenhof

Das Erlenhöfle hat Anfang 2007 seinen Betrieb in Freiburg aufgenommen, als erste Hausgemeinschaft für Menschen mit Demenz, die unter dem Heimgesetz und dennoch ambulant geführt wird. Wir wollen 11 Menschen mit Demenz eine qualitativhochwertige Betreuung in einem familienähnlichen Zu Hause geben und arbeiten konstruktiv mit der Stadt Freiburg entsprechend dem HeimG.

Im Vordergrund steht für uns nicht die Erkrankung, sondern die Lebensqualität und das Wohlbefinden des Einzelnen. Im Erlenhöfle werden die Bewohnerinnen und Bewohner nicht von ihrem Familienumfeld abgeschnitten, denn diese bilden die Brücke in die Welt ihrer an Demenz erkrankten Angehörigen und sind bei uns entsprechend herzlich willkommen.

Im Erlenhöfle werden freiwillig engagierten Personen mit eingebunden, denn sie tragen wertvolle Impulse von außen in die Gruppe hinein.

Leitung: Doris Löffler

 

Erlenhöfle,

Erlenweg 3a-3d,

79115 Freiburg

0761/4503-0

info@erlenhof.net

www.erlenhof.net

 

Träger: Seniorenresidenz Erlenhof GmbH & Co. KG, Freiburg

 

 

Alt und Jung unter einem Dach

Alle Generationen sowie Menschen mit und ohne Behinderungen wohnen im neuen Haus der Kirchengmeinde Freiburg-Südwest St. Michael. Unten eine Kita, darüber zwei Caritas-Wohngruppen für 24 Menschen mit Behinderungen. Zusammen mit dem benachbarten Gemeindezentrum Carlsbau ist hier ein neuer Treffpunkt für alle Generationen, Kulturen und Konfessionen entstanden.

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