Freiburg barrierefrei - eine unendliche Geschichte!

Schon im Jahr 2009 sollte es einen Leitfaden "barrierefreies Freiburg" geben, der aber Haushaltskonsolidierungen zum Opfer fiel.

2011 wurde von allen Fraktionen im Gemeinderat eine Strategie zur Umsetzung der Barrierefreiheit beantragt, aber erst 2014 konstituierte sich eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Garten und Tiefbauamtes gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt. Ziel war die Erarbeitung eines Konzeptes für barrierefreie öffentliche Räume in Freiburg. Für die operative Durchführung beauftragte das GuT eine  Arbeitsgemeinschaft aus dem Stadtplanungsbüro AKP (Kassel), dem Freiraumplanungsbüro p+t (Bremen) und dem Institut für Mobilität und Verkehr (imove) der Universität Kaiserslautern. Gleichzeitig wurde die  Arbeitsgruppe Barrierefreie öffentliche Räume gegründet, in der die Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderungen und Mobilitätseinschränkungen, sowie verschiedene städtische Institutionen vertreten waren, wie z.B. der öffentliche Nahverkehr. Auch unser Verein bekam eine Einladung und arbeitete mit. Lebensraum für Alle brachte zu den Begehungen einen Rollstuhl und einen Rollator mit, damit nichtbehinderte Personen (Projektverantwortliche/ Entscheidungsträger) eigene Erfahrungen machen können – was oft  mehr Wert ist als alle Theorie.

In dem Konzept sollte es darum gehen planerische Standards und Musterlösungen  für die Umsetzung von Barrierefreiheit zu entwickeln und Prioritäten bei der Beseitigung von Defiziten aufzuzeigen.
Hauptaufgabe der AG war es, eine Stärken-Schwächenanalyse der Barrierefreiheit in der Innenstadt  zu erstellen und zwar - als ersten Schritt - insbesondere auf den meistfrequentierten Hauptrouten durch die Altstadt.

Bei zwei Begehungen, eine mit mobilitätseingeschränkten und die zweite mit blinden und sehbehinderten Personen, wurden die Problemzonen der Altstadt benannt und gesammelt: Unebenes Altstadtpflaster  und Pflasterschäden, mit sehr tiefen Fugen, die Bächle, zugestellte Bürgersteige (Mülltonnen, Mobiliar, Auslagen), wild abgestellte Fahrräder, parkende Autos, Poller, Schranken, Absperrketten, zu wenig behindertengerechte Toiletten und Parkplätze, zu kurze Ampelphasen, fehlende Sitzmöglichkeiten. Dabei wurde auch klar, dass die Höhe der Gehsteige durchaus kontrovers zwischen den verschiedenen Behindertengruppen diskutiert wird: Während Sehbehinderte / Blinde eine Kante/Stufe zur Orientierung benötigen, hätten Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer am liebsten die völlige Absenkung! Allerdings kam es sowohl in Freiburg als auch bundesweit zu der Kompromisslösung von 3 cm.

Haltestellen
Vor allem an Haltestellen ist eine Gehsteighöhe die schwellenlose Einstiege in Straßenbahnen erlaubt, leider noch längst keine Selbstverständlichkeit. Zwar hat die VAG in den letzten 25 Jahren hier viel Geld investiert, jedoch sind bislang von den 325 Bushaltstellen nur 7 umfassend barrierfrei - d.h. sie haben auch ein taktiles und durch Kontraste  gekennzeichnetes Einstiegsfeld und einen Auffindeleitfaden für Blinde und Sehehinderte. Von den anderen 318 Haltestellen sind 87 für Rollstuhlfahrer ohne Rampe nutzbar, weil sie Sonderbords oder einen erhöhten Bordstein haben. An weiteren 100 kommen sie mit Klapprampe in das Fahrzeug. Vorrangig sollen die Ampel am Scherrerplatz in Haslach und an der Dorfstraße in Günterstal umgestaltet werden.

Das Personenbeförderungsgesetz gibt bis 2022 volllständige Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr vor. Deshalb werden von den 1,1, Millionen Euro, die der Gemeinderat für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bereitgestellt hat auch einige Haltestellen und Ampeln verbessert.

Die Barrieren in der Innenstadt,
sie sollen an fünf Stellen angegangen werden – mit Glättungen und Markierungen. So wird eine Verbindung von der Kaiser-Joseph-Straße über den Rathausplatz zur Merianstraße, Universitätsstraße, Rathausgasse und Turmstraße geschaffen. Ziel ist es vom Hauptbahnhof barrierefrei in die Altstadt zu kommen.

Inzwischen gibt es neben der abgeflachten Route zum Münsterportal zwei weitere Vorrang-Routen in der Altstadt: Die Turm- und die Engelstraße. Hier hat man bei anfallenden Straßenbauarbeiten gleich die Gelegenheit genutzt und einen farblich angepassten, aber flachen, aufgerauten Natursteinpflasterstreifen aus roten Quarzitsteinen verlegt.

In einem zweiten Bauabschnitt folgt der westliche Teil zwischen den Behindertenparkplätzen und dem Colombihotel. Die grundlegende Gestaltungsidee ist, zwei wichtige Stadträume – den Rathausplatz und den Rotteckring – mit dem historischen Natursteinpflaster zu verbinden. Diese Verbindung soll auch für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und hochhackigen Damenschuhen gut passierbar sein. Die bisherigen Sanierungsarbeiten (bis 9/18) kosteten 320.000 Euro.


Ampeln
Es sollen einige Ampeln mit taktilen und akustischen Signalen ausgestattet werden, damit auch blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung sie nutzen können. Vorgesehen sind die Ampeln an der Kaiser-Joseph-Straße/Dreisamstraße/Schreiberstraße, an der Günterstalstraße/Schillerstraße, an der Günterstalstraße/Talstraße/Basler Straße und an der Stadtbahnhaltestelle an der Eschholzstraße.
Und an dritter Stelle sind einige Bushaltestellen dran – vorrangig Umsteigehaltestellen: Dazu gehört der Scherrerplatz in Haslach, wo der Bussteig so umgebaut werden muss, dass der Bus den Steig geradlinig anfahren kann. An der Dorfstraße in Günterstal soll der Steig zumindest teilweise angehoben werden, geplant ist, dass künftig an der zweiten Fahrzeugtür ein barrierefreies Ein- und Aussteigen sowie Umsteigen in die Schauinslandbahn möglich wird.
Ein besonders großer Aufwand ist an der Paduaallee nötig, ein Umbau wird frühestens für 2019 anvisiert.

Mehr dazu...

Ein Sorgenkind bleibt der Hauptbahnhof, die Visitenkarte der Stadt, auf dem täglich über 70.000 Personen umsteigen. Zwar haben sich Bahn und Stadt geeinigt, dass neue Aufzüge gebaut werden - fahren kann man damit jedoch nicht vor 2025. Bis dahin müssen sich Menschen mit Handicap, Reisende mit schwerem Gepäck, Fahrrädern und Kinderwagen weiterhin quälen...Auch die Umgestaltung für Blinde und Sehbehinderte – im Zweisinne-Prinzip - ist immer noch nicht vollendet!

Eine Route vom Hauptbahnhof vorbei an allen wichtigen innerstädtischen Sehenswürdigkeiten mit vielen Hinweisen zur Barrierefreiheit finden Sie hier

 

 

1,1 Million für mehr Barrierefreiheit in Freiburg

Momentan leben in Freiburg 26.600 Menschen mit einer Schwerbehinderung. Zusammen mit immer mehr älteren Mitbürgern mit einer  Mobilitäts-, Seh- oder Höreinschränkung sind rund 15 % der Einwohner/innen auf Barrierefreiheit angewiesen. Hinzu kommen die immer stärker wachsenden Zahlen älterer Touristen. Sie alle haben laut UN-Behindertenrechtskonvention, Behindertengleichstellungs- und Teilhabegesetz sowie im Rahmen der aktuellen Inklusions-Bewegung das Recht auf eigenständige Teilhabe am öffentlichen Leben.

Eine Untersuchung des Garten und Tiefbauamtes der Stadt Freiburg hat eine lange Liste problematischer Stellen in der Innenstadt ergeben, die für diese Menschen nicht oder schwer zugänglich sind: Zu schmale und vollgestellte Gehwege, fehlende Bordsteinabsenkungen, Blindenleitsystemen und Informationen im Zwei-Sinne-System und vor allem das schwer begeh- und berollbare  Altstadtpflaster am Münsterplatz, am Augustinerplatz und am Rathausplatz.

Auch im ÖPNV, der per  Gesetz 2022 der ÖPNV bis 2022 barrierefrei sein müsste,  können  z.B. von 180 gefährlichen Ampelübergängen nur 10 Anlagen jährlich barrierefrei umgerüstet werden. Von den anderen 318 Haltestellen sind 87 für Rollstuhlfahrer ohne Rampe nutzbar, weil sie Sonderbords oder einen erhöhten Bordstein haben. An weiteren 100 kommen sie mit Klapprampe in das Fahrzeug. Das Personenbeförderungsgesetz gibt bis 2022 volllständige Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr vor. Deshalb werden von den 1,1, Millionen Euro, die der Gemeinderat für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bereitgestellt hat auch einige Haltestellen und Ampeln verbessert.

Für die barrierefreie Umgestaltung des Hauptbahnhofs, gibt es dank der Initiative BoB (Bahnhof ohne Barrieren) mittlerweile Zusagen von Bahn und Stadt  für die Planung neuer Aufzüge in der Nordunterquerung – aber wann all diese Problemzonen letztendlich fertiggestellt sein werden, weiß niemand. Zum 900jährigen Stadtjubiläum Freiburgs - 2020 - sicherlich noch nicht!

Stand:  4 / 2017

Der Gemeinderat hat 1,1 Mio Euro für mehr Barrierefreiheit in der Stadt bereitgestellt. Was soll damit geschehen? Die Stadtverwaltung will dem Gemeinderat im September 2017 Pläne zur Diskussion stellen. Daniela Schmid vom Beirat für Menschen mit Behinderung fände eine halbe Stelle für eine speziell für Barrierefreiheit zuständige Person am wichtigsten. Die ist bisher nicht vorgesehen.

Mehr dazu in der BZ vom 13.09.2017