Spaziergang durch die Wiehre

Mitte des 19. Jahrhunderts im damaligen Großherzogtums Baden, entstand auch in Freiburg Bedarf an großbürgerlichen Wohnvierteln. Wohlhabende Rentner aus dem Ruhrgebiet  zogen wegen der dortigen  Choleraepedemien nach Freiburg-Wiehre, da hier eine gesunde Trinkwasserversorgung gewährleistet war. Das brachte der Stadt eine Zeitlang den Beinamen „Pensionopolis“ ein. Heute gehört Freiburg jedoch zu den jüngsten Städten in Baden-Württemberg.

Noch heute kann man in der Mittel- und Unterwiehre, schönen Altbaubestand bewundern und durch ruhige Straßen mit alten Bäumen  flanieren. Von Bausünden blieb das Viertel weitgehend verschont. Damit ist die Wiehre  ein sehr beliebtes, aber eben auch sehr teures Wohngebiet. Hier leben überwiegend  Akademiker und  obere Mittelschicht. Kleine Läden, häufig aus dem ökologisch-alternativen Bereich, Cafés, Kneipen und Boulespieler/innen runden das Gesamtbild ab.

Wir beginnen unseren Spaziergang an der Kronenbrücke, laufen durch die Kronenstraße und biegen dann links in die Schwimmbadstraße ein. Sie führt uns vorbei an der Freien Waldorfschule  zur Lorettostraße. Sie ist nach dem gegenüberliegenden  Lorettoberg benannt, von dem viel Sandstein für den Münsterbau verwendet wurde. Mancher wundert sich  über das Holzhaus im Schweizer Kolonialstil an der Loretto- Ecke Mercystraße. Besucher der oberrheinischen Gewerbeausstellung konnten es 1887 im Stadtgarten besichtigen. Jetzt steht  das Chalet Widmer unter Denkmalschutz.

Auf der anderen Seite der Mercystraße liegt das  Lorettobad hinter einem Parkplatz. Es ist unterteilt in ein Freibad für alle und ein „Damenbad“, das „Lollo“,  im Jugendstil – das einzige deutschlandweit! „Lollo“ heißt auch das Café an dieser Kreuzung (ebenerdig, kein Behinderten-WC)

Wir gehen die Lorettostraße weiter Richtung Osten, überqueren die Goethestraße und machen beim Restaurant „Grüner Baum“ einen kleinen Abstecher nach links zum Annaplatz. Die geschlossene Bebauung aus dem 19. Jhd. mit dem „Annakirchle“ (eigentlich St. Cyriak und Perpetua) in der Mitte wirkt idyllisch. (Ebenerdiger Eingang an der rechten Längsseite). Hier finden wir auch eine Gedenktafel für die von den Nazis nach Gurs (Südfrankreich) deportierten Juden.

Zurück auf der Lorettostraße passieren wir bald die Günterstalstraße, die Hauptgeschäftsader der Wiehre. Jetzt laufen wir weiter durch die Urachstraße und sehen gleich links Jugendstil-Hallen in denen historische Straßenbahnen der Freiburger Verkehrs AG und ein Feuerwehrgerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Oberstadt Wiehre untergebracht sind.

Direkt gegenüber in dem kleinen Grünzug steht ein 20 Tonnen schwerer und 15 Mio Jahre alter Klingstein (Phonolit) aus dem Inneren des Kaiserstuhls, den eine Naturschützerin hat aufstellen lassen.

Wenn wir weitergehen sehen wir links zwischen Turnsee und Brombergstraße eine rote Sandsteinkapelle. Sie gehört der Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten.

Auf der linken Seite kurz vor der Glümerstraße steht die Skulptur „Badisches Saugkalb“ der Künstlerin Astrid Hohorst. Im Gegensatz  zum Holbein-Pferdchen an der Wonnhalde, wird es nicht bemalt!

Kurze Zeit später kommen wir rechts zum Alten Wiehrebahnhof. Die ehemalige Bahnstation ist jetzt ein Kulturzentrum mit Galerie, Kino und Café (barrierefrei). Rund um das Gebäude ist jeden Mittwochnachmittag und Samstagvormittag Bauernmarkt - sonst wird der Platz gerne von Boule-Spielern und Tangotänzern genutzt. Der heutige Bahnhof Wiehre liegt ein paar hundert Meter weiter südlich an der Türkenlouisstraße.  Von dort kann man die eine Station zum Hauptbahnhof zurück fahren.

Östlich vom Alten Wiehrebahnhof an der Quäkerstraße ist heute eine Kindertageseinrichtung. An deren Zaun erinnert eine Gedenktafel an die Verteilung von Hilfsgütern und Schülerspeisung nach dem 2. Weltkrieg in den dortigen Holzbaracken. Die Spenden kamen aus der Schweiz, Schweden, Island, Spanien, Brasilien, Argentinien und von amerikanischen Quäkern.

Alle, die von Alten Wiehrebahnhof noch weiter durch den Stadtteil flanieren wollen, gehen gegenüber  die Hildastraße entlang. Ein Blick ins Schaufenster der Nr. 62 lohnt sich: Schwarzwald Couture! Dann biegen wir rechts in die Erwinstraße. Kurz vor der Dreikönigstraße liegt links ein Spielplatz, der früher der Wiehre-Friedhof (Schließung 1923) war.  (Zugang über steile Rampe an der Dreikönigstraße) . Hier steht das Grabmal des  Potsdamers Ludwig Maximilian Dortu. Er schlug sich in der Revolution von 1848/49 auf die Seite Badens und wurde dafür von den Preußen hingerichtet.

Wir gehen die Erwinstraße wieder zurück bis zur Brombergstr. Die Hausnummer 33 war einst der Saalbau Wiehre, in dem auch Theater gespielt wurde. Heute sind hier Wohnungen, Gewerbe  und das beliebte Café au Lait untergebracht (Nicht barrierefrei). Von der Bromberg-  biegen wir links in die Zasiusstraße und sehen die  Christuskirche (1889) vor uns. Sie ist heute die wichtigste evangelische Kirche in der katholisch geprägten Stadt Freiburg.  (Zugang mit Rampe über Turnseestraße) . Am Ende der Zasiusstraße biegen wir rechts in die Günterstalstraße ein und sehen schon von weitem die 60 m hohen Türme der katholische Johanneskirche (1899).  Als die Wiehre 1825 eingemeindet wurde, wuchs die Bevölkerung schnell und die bestehenden Kirchen wurden zu klein. St. Johann, in der oft Veranstaltungen stattfinden, bietet 900 Plätze (Zugang über Rampe an der Basler Straße, Behindertenparkplätze).

Von hier aus  kann man mit der Straßenbahn zurück in die Altstadt oder zum Hauptbahnhof fahren.

Daten & Fakten zur Wiehre:

Die Wiehre liegt südlich der Altstadt auf der gegenüberliegenden Seite der Dreisam. Hier leben ca. 25.000 Einwohner/innen.

Anbieter von Stadtteilführungen, z.B.:
http://www.vistatour.de/stadtteile/wiehre_uebersicht.htm