Spaziergang durch den Stühlinger

Gleich hinter dem Hauptbahnhof beginnt der  Stühlinger. Durch seine Nähe zur Altstadt  ist dieser Stadtteil besonders bei Studenten sehr beliebt. Eine vielfältige Kneipen- und Kulturszene – vor allem rund um das E-Werk und entlang der Eschholzstraße prägen das Flair.


Erster Blickfang ist die Herz-Jesu-Kirche, die 1893 im Stil des Historismus erbaut wurde. Davor liegt die Grünanlage Stühlinger Kirchplatz, die  vor allem im Sommer viel besucht ist. Unter der Stadtbahnbrücke gibt es Mittwoch- und Samstagvormittag einen Wochenmarkt mit regionalen Produkten. 
Seit einiger Zeit gilt der Platz als Sozialer Brennpunkt und Drogenumschlagplatz. Viele Freiburger /innen vermeiden es, abends dort entlangzugehen. Trotz vieler Initiativen und Runder Tische konnte das Problem bislang nicht in Griff bekommen werden.

Wenn wir von der „Blauen Brücke“ (eigentlich “Wiwili-Brücke“) kommen,  wenden wir uns nach links, biegen gleich wieder rechts in die Engelberger und dann noch mal links in den südlichen Teil der Klarastraße. In Höhe der Hausnummer 67 befand sich einst die Löwenbrauerei. Wenn man ein paar Schritte in den Innenhof geht, sieht man den ehemaligen Brauereiturm, in dem heute Wohnungen sind. Heutzutage versorgt hauptsächlich die Ganterbrauerei die Freiburger/innen mit Bier.

Wir gehen weiter, überqueren einen der vielen Freiburger Gewerbekanäle und landen an der Ferdinand-Weiß-Straße. Hier stand ab 1885 ein Gaswerk.  Auf dessen ehemaligen runden Kesselfundamenten stehen heute zwei blassrote Wohngebäude deren Wohnungen Tortenstücken ähneln (Nr. 5 und  7).

Auf der anderen Straßenseite schließt sich das Gelände des früheren Elektizitätswerks an, auf dem sich heute die badenova-Verbundwarte befindet, die sich um die Betreuung des Stromnetzes kümmert. Es folgt  das „e-werk“, Freiburgs großes soziokulturelles Zentrum, mit jährlich über 400 Veranstaltungen in den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Kunst , Workshops sowie Ausstellungen (barrierefrei, www.ewerk-freiburg.de).

Wir gehen weiter bis zur Eschholzstraße, dort nach links,  überqueren die B 31a und die Dreisam und sind jetzt eigentlich schon im Stadtteil Haslach. Aufgrund der Nähe zählt die Kreativmeile Haslacher Straße jedoch gefühlt noch zum Stühlinger.

Direkt auf dem Eckgrundstück steht der Kulturpark: Aus einem leerstehenden Bürohaus und ungenutzten Werkstatthallen entstand hier 2004 ein Kreativzentrum mit einem vielseitigen Flächenangebot zu bezahlbaren Mieten.  Dort untergebracht ist auch das Theaterhaus Südufer, eine Spielstätte für die freie Tanz- und Theaterszene unter der Intendanz des e-werk freiburg e.V. Es bietet Veranstaltungsräume mit Behinderten-WC und Aufzug zur Dachterrasse ( https://www.kulturpark-freiburg.de/). Auf dem Gelände findet man auch anstelle der ehemaligen Bar „Schmitz Katze“ nun das „Café Mohrenkopf“ (barrierefrei, https://www.mohrentopf.com/).

Am Ende der Haslacher Straße (Nr. 15) ist das „Cala Theater Freiburg“  eine der ältesten und größten Kleinkunstbühnen in Freiburg (Ebenerdiger Zugang, https://www.calatheater.de/).

Wir spazieren  den gleichen Weg zurück, machen jedoch Eschholzstraße Ecke Ferdinand-Weiß-Straße noch einen Schlenker über den „Stühlinger Gewerbehof“(http://www.stuehlingergewerbehof.de/).

Seit sich 2008 gesellen sich hier zu den traditionell verankerten Handwerksbetrieben Kunst und Kultur, wie das Theater der Immoralisten -  ganzjährig modernes Theater mit publikumswirksamen Inszenierungen.
Auf dem Gelände gibt es auch „Das Rollimobil“ – einen Fahrservice für behinderte Mitmenschen sowie  einen Elektrofahrzeugverleih und eine Solartankstelle.

Mit Bio-Kost kann man sich im Restaurant  „Joris Cafe´& Co“ drinnen und draußen stärken (Behinderten-WC;  www.joris.bio).

Kurz vor dem  Hauptbahnhof, Wentzinger Ecke Engelberger Straße, gibt es  Strand-Feeling im „Mauritius“ (Behinderten-WC, https://www.my-mauritius.com/home/).

Von hier hat man schon wieder die blaue  Wiwilibrücke im Blick -  nach Freiburgs Partnerstadt Wiwilí in Nicaragua benannt. Bis zu 18.000 Radler/innen passieren sie täglich. Hier ist auch die „Radstation“, in der man nicht nur sein Fahrrad sicher parken kann, sondern sich auch welche leihen kann. Oben in der Radstation bietet das „Café Hermann“ nicht nur Innenplätze sondern eine große Dachterrasse(barrierefrei;  https://www.radstation-freiburg.de/cafe-hermann).

Auch eine DB-Carsharing-Station sowie Stellplätze des ersten Freiburger Carsharing-Anbieters, Stadtmobil Südbaden AG , findet man  auf dem Parkplatz hinter der Radstation.

Macher, mag sich darüber wundern, wenn in der warmen Jahreszeit viele junge Leute auf der blauen Brückenkonstruktion sitzen:  Das ist Kult, genauso wie früher auf der Brücke Tango getanzt wurde. Kurz vor dem Ende der Brücke Richtung Innenstadt, findet man auf dem rechten Geländer einen Mantel aus Metall. Er erinnert an die 450 Freiburger/innen, die zur Nazizeit ins Konzentrationslager Gurs verschleppt wurden.

Daten & Fakten zum Stühlinger :
Rund 15.000 Einwohner leben hier. Im nördlichen Teil breitet sich das riesige Gelände der  Universitätskliniken aus – Freiburgs größter Arbeitgeberin. An der Fehrenbachallee gibt es im  Rathaus im Stühlinger  eine „Toilette für Alle“. Der Stadtteil beherbergt auch  Arbeitsagentur sowie viele Wohnheime für Studierende.

Anbieter von Stadtteilführungen:

Vistatour
Eat the World
Audioguide-Tour